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Das Quartiere Coppedè in Rom
























Fernab von Antike und Barock und abseits der ausgetretenen Wege des Historischen Zentrums von Rom befindet man  das Quartiere Coppedè. Es ist das Gesamtkunstwerk des italienischen Baumeisters Gino Coppedè  das zwischen 1915 und 1926 entstanden ist. Schon der  Name der  verschiedenen Gebäude lässt einen erahnen  was einen erwartet: Feenvilla, Spinnenpalast  oder Froschbrunnen. In der Tat steht man vor Gebäuden die  mit Feen, Engeln und Putten, Löwenköpfen und Fabelwesen, schwungvollen Girlanden  und floralen Elementen verziert sind. Die Ausschmückung der Fassaden gehen weit über den modernen Jugendstil hinaus, dessen Einfluss nicht zu übersehen.   

                                      








































In Rom ist man geteilter Meinung über dieses Werk. Die Kommentare der Römer reichen von euphorischem Lob bis  zur Bezeichnung: architektonischer Sündenfall. Gino Coppedè, in Florenz geboren, erlernte in der Werkstadt seines Vater Möbeldesign und studierte erst später Architektur. Weitere Gebäude die von ihm entworfen wurden sind das Castello Mackenzie bei Genua, der Palazzo Galli in Neapel und der Palazzo Magaudda in Messina.

Das Quartiere Coppedè  liegt nicht gerade an Strecke, wo gewöhnlich die Karavanen der Rom-Besucher vorüber ziehen. Man findet es auch nicht auf dem Stadtplan der an der Touristeninformation ausgegeben wird. Am besten packt man die Besichtigung in eine Stadtrundfahrt besonderer Art mit: der Tram Nr 8. Starten sie nach einem Besuch des Museums für moderne Kunst,  passieren  den Zoo (Bioparco genannt) und steigen etwa 10 Minuten später,  wenn die Viale Regina Margarita die Via Tagliamento kreuzt, aus. Gehen sie nach links, und schon  nach 100 Metern stehen sie bereits unübersehbar vor dem prächtigen Torbogen, durch den man das Viertel betritt.
Nach der Besichtigung können Sie mit der Tram im weitern Verlauf den Campo Verano (Zenralfriedhof) das Viertel Tiburtina ( der einzige Stadtteil der im Letzten Weltkrieg zerstört wurde) die Porta Maggiore, die Kirchen Santa Croce in Gerusalemme und San Giovanni in Laterano, das Coloseum mit dem Forum Romanum, den Circo Massimo und am Ende der Fahrt am Bahnhof Ostia/Ostiense den nichtkatolischen Friedhof mit der  Piramide di Cestio besichtigen.
Ein ausgefüllter Tag............

 










































Das Museum MAXXI in Rom

























Die Aufgabe war klar. In einer Umgebung mit Gebäuden aus dem späten 19. Jahrhundert, Lagerhallen und Wohnhäusern sollte ein Museum entstehen für die Kunst des 21. Jahrhunderts. 
Der Auftrag ging an die preisgekrönte, irakisch-britische Architektin Zaha Hadid, die unter vielen internationalen Preisen, 2005 den Deutschen Architekturpreis für das außergewöhnliche Zentralgebäude des BMW-Werkes in Leipzig erhielt.
Zaha Hadids Idee war es, zeitgenössische Kunst auch in der Form des Museums wiederzugeben, außerdem sollte das Licht eine tragende Rolle spielen. Der Bau ist ein komplettes Tageslicht-Museum - weiches Licht, das den Werken folgt. Trotzdem ging es nicht ganz ohne Kunstlicht, so entstanden zusätzliche komplexe Lichtdecken. Von außen gesehen erscheint das Gebäude erst einmal interessant. Jedoch betritt man die Eingangshalle, überrascht einen ein Blick bis in die Deckenkonstruktion. Der ganze Komplex ist von sich kreuzenden, geschwungenen, schwarzen Treppen und Stegen durchzogen. Alles scheint zu schweben. Die Römer nennen das Museum: Tagliatelle. Man kann mit Recht behaupten, dass das „ Museo Nationale delle Arti del XXI secolo“ , kurz MAXXI, weltweit eines der faszinierensten Museumsbauten darstellt. 2010 bekam Zaha Hadids für dieses Werk den begehrten Stirling-Preis.
Hat man sich von der Faszination für diese begehbaren Skulptur erst einmal gelöst, kann man sich der Kunst zuwenden - Hauptwerke von William Kentridge und Anish Kapoor von Armin Linke, Amselm Kiefer und vielen anderen bedeutenden Namen.
Man erreicht das MAXXI indem man durch das Stadttor die Piazza del Popolo verlässt, und an der dahinter liegenden Piazza Flaminia in die Tram steigt. Nach ca.10 Minuten Fahrt, steigt man beim Auditorium, Parco della Musica, das auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Museums liegt, aus. 




Das jüdische Ghetto in Rom
























Wenn man von der Piazza Venezia, ca. hundert Meter vor der großen Freitreppe die zum Capitol führt, nach rechts in eine der Gassen einbiegt, kommt man in das ehemaligen jüdischen Ghetto von Rom. 
Die älteste jüdische Gemeinde Europas, kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, die bis in vorchristliche Zeiten reicht. Zweitausend Jahre angefüllt mit Repressionen, angefangen vom damaligen Kirchenstaat, weltlich-politisches  Herrschaftsgebiet des Papstes, wobei Papst Paul IV der 1555, als Errichter des Ghettos hinter hohen Mauern besonders zu erwähnen ist. Erst 1870, als die Truppen des geeinten Italien Rom eroberten, wurde dem Papststaat ein Ende bereitet, und den römischen Juden die vollen Bürgerrechte zugestanden. Nach ein paar Jahrzehnten des Friedens wurden aber unter Mussolini erneut ihre Rechte beschnitten, als eine Reihe antijüdische Gesetze verabschiedet wurden, und erneut eine Zeit von Verfolgung und Mord anbrach.

Hinzu kommt, dass das Viertel viele Male von katastrophalen Hochwassern heimgesucht wurde, bedingt durch die Nähe des Tibers, der nur durch eine Straße vom Viertel getrennt ist. Auch heute wohnt hier der größte Teil der jüdischen Bevölkerung der Stadt, der ca. 20.000 Bewohner zählt, und pflegt im Schatten der Synagoge, deren Kuppel das Viertel überragt, seine Traditionen.
Das Ghetto gehört zu den beliebtesten Viertel der Stadt. Touristen, sowie auch die Römer flanieren gerne durch die Gassen um in den Restaurants die koschere Küche der römischen Tradition zu probieren. Oder auch nur um einen koscheren Hamburger zu genießen.


Der Puppendoktor von Rom
























Unweit der Piazza del Popolo, in der Via di Ripetta 29, existiert noch ein Laden der zu einer aussterbenden Gattung gehört. Es handelt sich um die Werkstatt der Familie Squatriti, die hier auf einer winzigen Fläche Puppen repariert. Unternehmen dieser Art verschwinden immer mehr aus dem Stadtbild, denn auch in einer historischen Stadt wie Rom, hat das Tempo des modernen Lebens längst Einzug gehalten.
Die Familie Squatriti stammt ursprünglich aus Neapel, und hat die Kunst der Restaurierung von Generation zu Generation weitergegeben. So ist es denn auch nicht verwunderlich, dass der Schwerpunkt ihrer Arbeit auf historischen Puppen, aber auch Zinnsoldaten liegt. In der Regel Sammlerstücke aus verschiedenen Jahrhunderten, nicht nur aus Porzellan, sondern auch aus Keramik, Holz, Pappmaché und Metall. Kunden aus New York und Tokio gehören nicht zu den Seltenheiten.





















Betritt man den Laden, steht man in einem charmanten, vollkommen überladenen Raum mit ungewohnten Gerüchen. Mischungen aus Gips und Wachs, Leim und Lösungsmittel hängen in der Luft. Man hat das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist. 


Ein Ausflug nach Ostia Lido
























Ein Vorzug Roms ist mit Sicherheit die Nähe zum Meer. Wenn man mit dem Flieger anreist, wird einem das spätestens im Landeanflug bei einem Blick aus dem Fenster bewusst. 
Hat man dann genug von Altertümern, Kopfsteinpflaster und Verkehrslärm, packt man seine Badetasche und fährt mit der Metro B in Richtung Laurentina bis zur Haltestelle Piramide / Ostiense. Dann steigt man in die Metro, die hier im Tageslicht hält, fährt mit der Rolltreppe nach oben und biegt sofort links ab. Schon steht man in einen kleinen Bahnhof mit nur drei Bahnsteigen. Von hier fährt stündlich mehrmals, ein keines Bähnchen Typ S-Bahn, in einer halben Stunde hinaus aus der Stadt, vorbei an den Stadtteilen Garbatella, EUR dem Rom Mussolinis, vorbei an den sehenswerten Ausgrabungen von Ostia Antica - aber wir hatten ja genug von Altertümern - nach Ostia Zentrum oder auch eins, zwei Haltestellen weiter, denn das Bähnchen fährt nun parallel zum Meer. Zehn Minuten später steht man am Strand. Außerhalb der Saison hat man ihn fast für sich allein, kann Schuhe und Strümpfe ausziehen und am Wasser vorbeilaufen, oder irgendwo einen Cappuccino trinken und aufs Meer schauen. Während der Sommersaison muss man ihn mit Tausenden teilen. Dann gelangt man nur über ein Bagno, eine Art Strandbad, ans Meer. In einem Bagno darf man sich nur aufhalten, wenn man Liege und Sonnenschirm mietet, kann aber auch viele andere Annehmlichkeiten nutzen, angefangen, dass man einfach nur eine Toilette in greifbarer Nähe hat, bis zur Gastronomie oder gar einer Kinderbetreuung. Möchte man zu einem freien Strand, also ohne Eintrittsgeld und ohne Komfort, muss man in der Regel etwas weiter laufen, schneller geht es, wenn man erst an der Haltestelle Stella Polare aussteigt. Wenn sie aber einfach nur nahe am Meer vorbeizulaufen möchten, ist es aber auch möglich, auf kurzem Weg ein Bagno zu durchqueren. 

Rom - die Portiera

























Man sagt, die Portiers der römischen Häuser sterben aus. Natürlich ist es wegen den Kosten, die viele Hausgemeinschaften nicht mehr bereit sind zu tragen.  
Das Haus, oder der Palazzo, in dem ich zu Gast bin wenn ich Rom besuche, hat noch einen. Genauer gesagt eine, eine Portiera. Es ist eine kleine untersetze Frau jenseits der sechzig, mit rabenschwarz gefärbtem Haar. Ihre raue Stimme erinnert an den Sänger Paolo Conte. Ständig hängt eine Zigarette in ihrem Mundwinkel und wenn man sie nicht reden hört, hört man sie husten. Argwöhnisch betrachtet sie jeden der die Schwelle des Portals überschreitet, und da ihre schlechte Laune chronisch ist, erwidert sie selten einen Gruß. Ich versuche  großzügig darüber hinweg zu sehen, denn ich bin nur Gast in diesem Haus. 
Nur ihr Hund, ein freundlicher, kleiner Pinscher, ebenfalls in die Jahre gekommen, hält noch was von Gastfreundschaft. Er verzehrt sich geradezu nach Zuwendung, ist aber, wenn ich ihn kraule, stets auf der Hut  um von seiner Patrona nicht erwischt zu werden.   


 

Rom, Piazza dell` Orologio im November








































Es regnete Katzen und Hunde. Dicke Regentropfen zerschellten auf dem Asphalt und spritzten den vorübergehenden Passanten an die Beine. Aus verstopften Regenrinnen stürzten Wasserfälle von den Dächern herab, stolperten durch die Gassen und bildeten ausgedehnte Seen auf dem buckligen Kopfsteinpflaster. Ich brachte mich in der Casa delle Letterature, einer Bibliothek für internationale Literatur, auf der Piazza dell` Orologio in Sicherheit. Gedämpfte Stimmen. Ich glaube, die Bibliothek ist der einzige Ort, an dem sogar Italiener flüstern.
Lange Flure im Karree, die hohe Decke trägt ein historisches Kreuzgewölbe. Die Regale gefüllt mit Prosa in unterschiedlichen Sprachen, in einzelne Sektoren unterteilt. Man benutzte eine Holzleiter um an die oberen Fächer zu gelangen. 
Meterhohe Bogenfenster zum Innenhof, der mit murmelgroßen Kieselsteinen bedeckt ist. Orangenbäume stehen im Quadrat. Zwischen regennassen Blätter lugten reife Früchte hervor. In der Mitte des Hofes gluckerte und gurgelte ein verwunschener Brunnen. Farne und Flechten bedeckten den grauen Stein. 
Leider gibt es diese Bilbliothek seit ein paar Jahren nicht mehr. Einsparungen treffen in Italien den Bereich  Kultur übermäßig hart. Viele der fremdsprachigen Bücher findet man heute in der 2006 neu gegründeten Biblioteca Europea, der früheren deutschen Bibliothek es Goethe-Instituts  in der Via Savoia in der Nähe der Piazza Fiume. Auch hier zwangen Geldnöte das Institut zu diesen Maßnahmen. 
Heute werden die Räumlichkeiten auf der Piazza dell` Orologio, unweit der Piazza Navona,  für Ausstellungen genutzt. Ein Blick in die Räumlichkeiten und den Innenhof lohnt sich allemal und draußen auf der Piazza sollte man es nicht versäumen nach oben zu schauen. Der filigrane Glockenturm mit der Uhr, woher der Platz seinen Namen hat (Orologio bedeutet Uhr) wurde im siebzehnten Jahrhundert von einem der bekanntesten Architekten des Barock, Francesco Borromini entworfen und gebaut. 

Ein Astronaut aus Rom


























Niemand der Rom besucht, würde einen Gedanken an amerikanische Astronauten verschwenden. Und doch gibt es hier eine Verbindung. Die Eltern von Michael Collins, der Dritte im Bund bei der Mondlandung, wohnten in der Via Tevere 16, wo er im Oktober 1930 geboren wurde. Die Straße befindet sich im Flussviertel (Via Tevere bedeutet Tiberstraße) zwischen der Piazza Fiume (Flußplatz) und dem Park der Villa Borghese.
Sein Vater James Collins, war derzeit Militärattaché an der amerikanischen Botschaft. Nachdem die Vereinigten Staaten in den zweiten Weltkrieg eingetreten waren, das war im Dezember 1941, zog die Familie zurück in die USA, nach Washington, D.C.

























Michael Collins folgte schon in jungen Jahren den Fußstapfen seines Vater. Gleich nach seinem Highschool Abschluss besuchte er die Militärakademie, und entschied sich danach für die Offizierslaufbahn bei der Luftwaffe, machte eine Testpilotenausbildung und war dann Flugtestoffizier bei der Air Force. Er bewarb sich bei der NASA und wurde 1963 für das Gemini- und Apollo-Programm ausgewählt. 
1966 startete er als Copilot für die Mission "Gemini 10", absolvierte 46 Erdumläufe in 70 Stunden, stieg aus der Kapsel und verbrachte eine halbe Stunde im freien Weltraum.
Der Gipfel seiner Kariere erlebte er im Juli 1969 mit der Mission "Apollo 11". Dem Flug zum Mond. Genau genommen spielte er bei diesem historischen Ereignis die am wenigsten beachtete Rolle. Denn während seine Kollegen Armstrong und Aldrin als erste Menschen den Mond betraten und von Milliarden von Menschen vor dem Fernseher umjubelt wurden, hatte er die Aufgabe mit dem Mutterschiff Columbia in der Umlaufbahn seinen Orbit zu vermessen und die Fluglage des Raumschiffs unter Kontrolle zu halten. Immerhin, ohne seine Arbeit hätte die "Apollo 11" mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zur Erde zurückgekehrten können.


Rom: Morgenstimmung im Park der Villa Borghese

























Heiter und beschaulich ist der Morgen im Park der Villa Borghese. Früh um acht gehört der Park nur einigen wenigen, den das Museum und der Zoo sind noch geschlossen. Nur ein paar Jogger drehen ihre Runde, Zeitungsleser genießen auf einer Bank die ersten wärmenden Sonnenstrahlen, auf der alten Galopprennbahn trainiert die berittene Polizei für die nächste Parade, Menschen mit ihren Hunden spazieren über Wiesen, die noch feucht sind vom Morgentau. Sie unterhalten sich lebhaft und schlendern gemütlich zur nächsten Bar, von denen es mindestens fünf gibt, um ihren Cappuccino zu trinken und ein Cornetto zu essen. 























Einen Park in Italien muss man sich generell anders vorstellen als bei uns. Nur selten sieht man bunte Blumenrabatten, denn es handelt sich in der Regel um Landschaftsparks mit Wiesen und alten Bäumen.  Hier verbringen die Italiener ihre Freizeit.
So ist es auch im weitläufigen Park der Villa Borghese, in dem man sich leicht verlaufen kann. Eine grüne Lunge inmitten der Stadt. Überall plätschert Wasser aus alten Brunnen mit stimmungsvollen antiken Szenen in Marmor gehauen.


Für die Hunde ist eine spezielle Fläche ausgewiesen, größer als ein Fußballfeld, wo man sie offiziell ohne Leine laufen lassen kann, obwohl sie früh morgens  überall im Park frei herumlaufen. Niemand stört sich daran, und wo kein Kläger ist auch kein Richter. Hundebesitzer müssen wie überall die Hinterlassenschaft ihrer Lieblinge entfernen, sonst droht ein Bußgeld, und Tüten muss jeder selbst mitbringen, die werden von der Kommune nicht geliefert.




Eine Künstlerin wurde auf der Piazza Navona entdeckt.







































Zu den Attraktionen der Piazza Navona, gehören mit Sicherheit ihre Maler und Karikaturisten, und für manche von ihnen, wurde der Platz zum Sprungbrett in den Erfolg. Eine von ihnen ist Rosina Wachtmeister, die in der ganzen Welt durch ihre anmutig, naiv gemalten Katzen bekannt wurde. Heute kann sie auf eine abenteuerliche Lebensgeschichte zurückschauen.
Rosina Wachtmeister wurde in Wien geboren, und war als Teenager mit ihren Eltern nach Brasilien ausgewandert. Dort studierte sie Bildhauerei und Bühnenbildnerei. Zusammen mit ein paar Freunden gründete sie ein Marionettentheater. Sie zogen gemeinsam in Brasilien die Küste auf und ab, und das Repertoire ihrer Vorstellungen reichte von Brecht bis zu Grimms Märchen. Sie lernte einen italienischen Maler kennen, bekam mit ihm eine Tochter, und ein paar Jahre später gingen sie nach Italien, nach Rom. Ihr Mann brachte ihr das Malen bei, und sie setzte sich mit ihren ersten naiven gemalten Katzen auf die Piazza Navona, und verkaufte ihre Werke. Dort wurde sie von einem Verlag entdeckt und bald erschienen die ersten Poster und Kalender.
Später kreierte sie ihre Keramikfiguren, die von Sammlern in der ganzen Welt begehrt sind.
Anfang der siebziger Jahre zog sie nach Capena, ein Dorf nördlich von Rom gelegen, in dem sich eine Künstlerkolonie entwickelt hatte. Dort lebt und arbeitet sie bis, heute mit zehn Hunden, zwanzig Katzen und vielen anderen Tieren und - sie ist ihrem charakteristischem Stil treu geblieben.

Das Puppentheater San Carlino auf dem Pincio in Rom.








































Wenn Sie das nächste Mal Rom besuchen, sollten Sie an einem Samstag oder Sonntag von der Piazza del Popolo die Treppen zum Monte Pincio hinaufsteigen. Nachdem Sie die herrliche Aussicht über die Stadt bewundert haben, halten Sie sich links, wo man nach ein paar Minuten, unter schattigen Platanen auf das Theatro dei Burattini trifft. Geben Sie dem Kind in Ihnen einmal nach, und besuchen Sie eine Aufführung dieser fantastischen Künstler mit ihren Puppen - es ist wirklich ein Erlebnis der besonderen Art. Sicher, die Darbietungen sind in erster Linie für Kinder gedacht, und werden natürlich in italienischer Sprache aufgeführt. Aber keine Angst, Sie können in Ruhe die Sprache auf sich wirken lassen, denn den Inhalt der Geschichten kennen Sie alle. Sie heißen Biancaneve, Cenerentola, Cappuccetto Rosso und Musicanti di Brema und sind doch nichts anders als Schneewittchen, Aschenputtel, Rotkäppchen und die Bremer Stadtmusikanten. Es werden auch Opern aufgeführt wie die Hochzeit des Figaro - le Nozze di Figaro oder gar ein Ballett - der Nussknacker. Verschaffen Sie sich selbst einen Eindruck und gehen sie einfach einmal auf die Homepage www.sancarlino.it


Die Katzen von Rom
























Zu den Plätzen mit dem höchsten Lärmpegel der Stadt, gehört zweifellos die Piazza Argentina. Wenn man an der Balustrade steht und zu den Ruinen hinabschaut, entgeht einem nicht, dass sich hier Katzen aufhalten. Man kann es fast nicht glauben, aber hier lebt eine Population von zweihundertfünfzig Katzen.
Etliche freiwillige Helfer sorgen dafür, dass die Tiere, mit Hilfe von Spenden, gefüttert, sterilisiert und medizinisch versorgen werden. Seit 2001 haben die Katzen sogar von der Stadtverwaltung eine offizielle Aufenthaltsgenehmigung erhalten. Nun dienen die Ruinen als Katzenasyl.
Eine ähnliche Situation findet man auf dem nichtkatholischen Friedhof. Dort hat sich Signora Talli der Problematik angenommen. Unterstützt von vielen Helfern und einer
englisch - italienischen Vereinigung, die für die ebenfalls beachtliche Anzahl von Tieren Medizin und Impfstoff liefert. Auch hier ist man auf Spenden angewiesen. Am Eingang des Friedhofs gibt es für Besucher eine Spendenbox.
Des Weiteren findet man in vielen Parkanlagen ausgesetzte oder verwilderte Katzen. Auch auf dem Zentralfriedhof dem Campo Verano. Schon nachdem man das Eingangstor passiert hat, fühlt man sich von unsichtbaren Augen verfolgt. Die meisten von ihnen sind scheu. Zwischen historischen Gräbern und Mausolen findet man überall Plastikteller mit Spaghetti oder mit Trockenfutter. Ich lies mir Zeit, setzte mich auf den Rand eines Grabsteins und wartete. Es dauerte nicht lange, bis die erste zum Vorschein kam. Ein Tiger mit großem weißen Lätzchen auf der Brust, maunzte mich an, und rieb seinen Kopf an meinen Beinen.


nach einer Krebsoperation......







Der nicht-katholische Friedhof in Rom
























Er hat viele Namen. Man nennt ihn Ausländerfriedhof, oder Protestanten-friedhof, und auch  nichtkatholische Friedhof. Der Name Ausländerfriedhof scheint mir nicht korrekt, denn es wurden auch Italiener hier begraben. Auch Protestantenfriedhof ist nicht gut gewählt, da auch Orthodoxe an diesem Ort ihre letzte Ruhestädte fanden. Meiner Meinung nach trifft die Bezeichnung nicht-katholische Friedhof am ehesten zu.
Die Italiensehnsucht hat ihren Ursprung nicht in unserer Zeit. Sie entstand genau genommen schon vor zweihundert Jahren. Vor allem Engländer, Deutsche und Russen zog es nach Italien. Die Mehrzahl der hier Begraben befassten sich mit der Kunst. Es waren Maler, Bildhauer, Dichter, Architekten die es in den Süden zog, wo sie dann eines Tages ihr Schicksal ereilte.
Starb jemand in diesem fast ausschließlich katholischen Land, und gehörte einer anderen Religion an, durfte er nicht auf einem der allgemeinen Friedhöfen bestattet werden. So entstand in Rom Anfang des neunzehnten Jahrhunderts, unweit der Bahnstation Ostia, für jene Verstorbenen der nicht-katholische Friedhof.
Einer von ihnen war Goethes Sohn August, der sich im April 1830 auf eine Reise begab von der er nie zurückkehren sollte. Er erlag im Oktober des gleichen Jahres in Rom einer Pockeninfektion.
Heute ist der nicht-katholische Friedhof, in Nachbarschaft der Cestius Pyramide gelegen,  ein touristischer Magnet. Um ihn herum quietscht und rumpelt die Straßenbahn, Busse und Autos holpern übers Kopfsteinpflaster. Und doch macht sich unter schattigen Pinien im üppigen Grün eine Beschaulichkeit breit, die zum Verweilen einlädt. Es kann sein, dass in einem solchen Moment eine der Wächterinnen der Toten um deine Beine streift: eine der vielen Katzen, die an diesem Ort ein Zuhause gefunden haben. 


Rom, Via Tiburtina










































Der Bus bremste plötzlich ohne erkennbaren Grund, hupte, und schwenkte ruckartig nach rechts, und sofort wieder nach links, und kam hundert Meter weiter an einer Haltestelle zum Stehen. Die Fahrgäste waren von einer Seite auf die andere geschleudert worden, und verrenkten sich die Köpfe, um den Grund dieses plötzlichen Manövers herauszufinden. Ich stieg aus und lief den Bürgersteig entlang. Da stand mitten auf der Straße vor einem Kanaldeckel eine kleine, untersetzte Frau, mit kurz geschnittenem, grauem Haar in Wanderschuhen, langer Hose und Rollkragenpulli. Was macht sie da? Autos hupten und veranstalteten das gleiche Manöver wie zuvor der Bus. Eben zog sie ihre Hose aus, zerriss sie in Stücke, und stopfte die einzelnen Fetzen in das Loch in der Mitte des Gullys. Ungläubig blieb ich stehen. Jemand rief ihr etwas zu, sie nahm aber keine Notiz davon. Einige Passanten machten amüsiert Bemerkungen. Die Frau aber, war so in ihre Arbeit vertieft, dass sie durch nichts abzulenken war. Im Nu waren alle Teile der Hose in der Kanalisation verschwunden. Ich verschwand im Supermarkt, der sich an der Ecke befand. Drinnen standen zwei junge Kassiererinnen hinter einer gläsernen, automatischen Tür, und warteten gespannt, was sie wohl als nächstes tun würde. Nachdem ich meine Einkäufe getätigt hatte, und vor die Tür trat, brachen die Kassiererinnen in schallendes Gelächter aus. Die Frau hatte gerade ihre Unterhose ausgezogen. Nun stand sie da in der Kälte eines ungemütlichen Januartages, und bückte sich hinunter zum Gully, um sie dort verschwinden zu lassen. Dabei streckte sie uns ihre drallen Pobacken entgegen. Binnen Sekunden war das Stück in der Kanalisation auf nimmer wiedersehen verschwunden. Die Frau neben mir telefonierte mit ihrem Handy. Kurze Zeit später kam ein Polizeiwagen angefahren. Eine Polizistin stieg aus und ging in aller Ruhe auf die Frau ohne Unterhose zu. Die Beiden lächelten sich an wie zwei alte Freundinnen. Die Polizistin faltete eine dunkelblaue wollende Decke auseinander, und wickelte sie der Frau um den Unterleib. Sie schien nichts dagegen zu haben. Dann nahm sie sie bei der Hand, sie stiegen in den Streifenwagen, und fuhren davon.



Rom, Piazza Santa Maria Maggiore

























Vor einem Kiosk, gegenüber der Piazza Santa Maria Maggiore, stand am Straßenrand im tosenden Verkehr, ein Häuschen aus Pappkarton. Es war ungefähr 2,50 m lang, 1,5 m hoch, beklebt mit Veranstaltungsplakaten und Kosmetikwerbung, abgedeckt mit Klarsichtfolie und mit weißer Kordel verschnürt wie ein Päckchen.
Vor dieser Behausung saß auf einem umgestülpten blauen Getränkekasten eine ältere, hagere Frau, ja ich möchte fast sagen, eine Dame. Sie war weder verlumpt noch verwahrlost, sondern glich eher einer Person die in Boutiquen ein- und ausgeht. Sie trug eine schwarze, schmale Hose und einen anliegenden, schwarzen Pulli. Der einzige Stilbruch waren ihre braunen Kordpantoffeln. Sie fiel mir zum ersten Mal auf, als sie gerade mit einer Tube Shampoo in der Hand, an einem Brunnen eine Plastikflasche mit Wasser füllte, und sich im Rinnstein die Haare wusch. Anschließend setzte sie sich in die Sonne und ließ sie trocknen. Das Haar war grau, kinnlang und akkurat geschnitten.
Ich machte mir am Zeitungsstand vor dem Kiosk zu schaffen, und hörte wie sie Selbstgespräche führte, genau genommen schimpfte sie. Was mich aber vollkommen überraschte, sie sprach Deutsch. Ich versuchte mit ihr ins Gespräch zu kommen, jedoch sie reagierte abweisend und behauptete Italienerin zu sein.
Ich habe oft über sie nachgedacht. Was war im Leben dieser Frau passiert, dass sie in einem fremden Land in der Obdachlosigkeit landete. Als ich sie im Frühling wieder aufsuchte, war das Papphäuschen verschwunden. Scheinbar hatte man es entfernt, nur sie selbst konnte man offenbar nicht vertreiben. Sie saß immer noch auf dem umgestülpten Getränkekasten und ihre ganze Habe war im Einkaufwagen eines Supermarkts verstaut.
Jedoch einen Herbst später war sie und die Behausung wieder da, im neuen Outfit, am Straßenrand zwischen Mülltonnen und parkenden Autos.


 
                                                                          



Rom, Piazza Navona

                                                                                                                 
Es ist 19.00 Uhr. Nach einem heißen Tag füllt sich das Oval der Piazza. Römer bei ihrem Abendspaziergang, Kinder die auf Marmorbänken ihr Gelato schlecken, Touristen auf der Suche nach einem Platz wo sie ihre müden Beine ausstrecken und was essen können. Manche lassen von sich von den Malern auf dem Platz ein Portrait oder eine Karikatur anfertigen. Musik tönt über den Platz.
Langsam treffen die Straßenhändler ein. Alle kommen sie aus dem Senegal. Es sind Brüder, Cousins, Freunde, allesamt Söhne senegalesischer Fischer und Bauern - die Opfer der Globalisierung. Sie können ihre Waren nicht mehr auf dem Markt verkaufen. Billige Produkte aus Europa überschwemmen ihr Land, und schwimmende Fischfabriken fischen die Meere leer. So kratzen die Familien alles Geld zusammen um ihre Söhne übers Meer nach Europa zu schicken, in der Hoffnung, dort das nötige Geld zu verdienen um die Familie zu ernähren. Viele von ihnen kommen nie an, einige landen im Süden von Spanien, leben dort unter einem Meer aus Plastik um Tomaten zu ernten. Andere landen in den Metropolen Europas, wie hier auf der Piazza Navona und leben vom Verkauf von Taschen, Gürtel, Sonnenbrillen. Imitationen von Armani, Prada und Gucci und Co.

 

Gerade haben sie ihre Ware auf weißen Tüchern am Boden ausgebreitet, als der Wagen der Finanzpolizei auf dem Platz vorfährt. Geschwind raffen sie die Tücher mit Inhalt an vier Enden zusammen und ver-schwinden für eine Weile in den Seitengassen.
Die Frau, neben mir auf der Bank sehe ich mehrmals die Woche. Nach der Arbeit kommt sie oft hier vorbei, um wie ich dem bunten Treiben zuzuschauen. Sie arbeitet für die Carabinieri. Über die Händler aus dem Senegal denkt sie pragmatisch. Wenn man ihnen die Möglichkeit Geld zu verdienen nimmt, stehlen sie, sagt sie. Was also ist schlimmer?

Rom, Piazza Firenze im Oktober

Ich sitze mit einem Cappuccino vor einer Bar auf der Piazza Firenze. Ein herzzerreißendes Fiepen reißt mich aus meinen Gedanken und lenkt meine Aufmerksamkeit in eine Seitengasse. Ein kleiner schwarzer Welpe rennt verstört die Gasse auf und ab, wirft sich jedem der entlang kommt, verzweifelt vor die Füße. Ich stehe auf und nähere mich der Szene. Es ist ein kleiner stämmiger Kerl mit wuscheligem Fell. Den Pfoten nach zu urteilen, wird er bestimmt einmal eine stattliche Größe erreichen. Mit Sicherheit wurde er ausgesetzt. Eine alte Römerin in Pantoffeln tritt aus dem Bäckerladen, schaut überrascht und beginnt laut über die Oberflächlichkeit der Menschen zu lamentieren. Mehrmals beteuert sie, dass sie den Hund nicht nehmen kann. Sie hat schon einen Hund. Sie hält die Hand ungefähr in der Höhe ihres Knies. So groß ist er, sagt sie. Mit einem aufordernden Blick meint sie auf einmal, daß ich ihn doch nehmen könnte. Ich winke ab, erkläre ihr dass ich Touristin bin und ihn auch nicht nehmen kann. Getrieben springt der Kleine verzweifelt hin und her. Motorinos schießen über das Kopfsteinpflaster. Etwas ratlos versuche ich ihn von der Straße fernzuhalten. Doch er ist zu panisch, lässt sich immer nur für kurze Zeit ablenken. Ich glaube, er weiß, dass es um alles geht. Immer mehr Menschen bleiben stehen und  beratschlagen hilflos über das was zu tun sei. Zwei Herren in dunkelblauen Anzügen treten aus dem gegenüberliegenden Haus. Die alte Römerin beginnt von neuem über die Schlechtigkeit der Menschen zu schimpfen und fordert die Beiden auf etwas zu unternehmen. Der kleine Kerl will ständig wegrennen. Die Männer in den Anzügen debattieren kurz miteinander. Einer macht dem Treiben ein Ende. Er öffnet den Kofferraum seines Autos das vor der Tür steht, setzt den kleinen Hund hinein, läßt aber den Deckel auf. Der andere wählt eine Nummer auf seinem Handy und spricht eine Zeit lang mit jemand. Dann warten sie. Kurze Zeit später kommt eine junge Frau auf einem roten Motorino daher. Sie hebt den Kleinen aus dem Kofferraum, drückt ihn liebevoll an sich und steckt ihn dann in eine verschließbare Korbtasche die sie auf dem Motorino zwischen ihre Beine klemmt und davon braust. Ihre schwarzen Haare wehen im Wind. Erleichtert löst sich die Versammlung auf.