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Brooklyn, New York
























Rund einen Kilometer lang ist sie, die berühmteste Brücke New Yorks, die Brooklyn Bright. Überquert man sie, kann man es nicht lassen, immer wieder inne zu halten, sich umzudrehen, um einen Blick auf die atemberaubende Skyline Manhattans zu werfen. Man kann auch die F-Tram nehmen. Sie fährt in Brooklyn oberirdisch und die Sicht auf Downtown Manhattan ist ebenso spektakulär. Aber ich finde, wenn man zu Fuß über die Brücke läuft, hat man länger etwas davon.
In Brooklyn angekommen, spaziert man am besten erst mal an der Flusspromenade entlang, um noch einmal in aller Ruhe ein paar Details des Big Apple zu genießen. John Irving lässt den Protagonisten in einem seiner Bücher behaupten: In Brooklyn zu wohnen und auf die Skyline von Manhattan zu schauen ist, wie eine Bockwurst zu essen und dabei auf einen Hummer zu blicken.
Ich finde er tut Brooklyn unrecht. Die meisten Städte auf diesem Erdball laufen Gefahr, beim Vergleich mit Manhattan in Bedeutungslosigkeit zu versinken. Wenn man diese Tatsache einmal berücksichtigt, welche Stadt kann schon mit solch einer Aussicht glänzen.
Viele Prominente hatten und haben Brooklyn für sich entdeckt und zu ihrem Domizil erkoren. Ein Grund ist bestimmt das Tempo, das hier sicher langsamer ist als in Manhattan, aber auch die Menschen, die viel aufgeschlossener sind. Man hat weniger Schwierigkeiten einen Fremden in ein Gespräch zu verwickeln.
Der Geruch von Zimt lockte mich in eine Bakery. Ich kaufte mir einen Zimt-Rosinen Bagel. Dann schlenderte ich genüsslich kauend, vorbei an farbenfrohen Graffitis, nach Fort Greene und kam vor der Leuchtreklame des Brooklyn Moon zum stehen. Happy Hour. Und jetzt einen Cosmo!


New York, Manhattan







































Mir taten die Füße weh. Ich war den ganzen Tag durch die Straßenschluchten von Manhattan gelaufen, hatte mir unzählige Schaufenster angeschaut, war in duzenden von Läden ein und wieder aus gegangen, und hatte nur noch den Wunsch die Schuhe von den Füßen zu schleudern, und mich unter die Dusche zu stellen.
Ich betrat im Hotel den Aufzug und drückte auf die sechzehn. Kurz darauf hielt er mit einem kurzen Ruck auf der Ebene des Restaurants und die Schiebetür öffnete sich. Zwei Männer in Freizeitkleidung traten ein. Einer von ihnen wirkte sehr müde und machte ein griesgrämiges Gesicht. Der Zweite nahm die Brille von der Nase, lies sie von einer Hand in die andere wandern und ergriff dann das Wort. Ich traute meinen Ohren nicht, als er seinen Freund in meinem Heimatdialekt ansprach: Was ist nun, kommst du heute Abend mit oder nicht? Der Andere schaute weiter brummig vor sich hin und schwieg. Nachdem ich mich von meiner Überraschung erholt hatte, gab ich für ihn die Antwort, ebenfalls in meinen Dialekt: Du siehst doch, er hat keine Lust. 
Nach einem Moment der Verblüffung brach ein schallendes Gelächter aus. Der Aufzug hielt und draußen auf einem langen Korridor plauderten wir munter weiter und stellten fest, dass unsere Wurzeln in Deutschland nur acht Kilometer voneinander entfernt waren, uns noch nie zuvor begegnet waren und nun hier, unter Millionen von Menschen, im gleichen Hotel im sechzehnten Stock fast Tür an Tür wohnten. 
Sicher hat jeder von uns schon einmal feststellen müssen, wie klein die Welt ist. Man fliegt hunderte von Kilometer und es läuft einem sozusagen ein Nachbar über den Weg. Aber hatten sie so ein Erlebniss schon einmal auf solch kleinen Raum? Die Welt ist wirklich ein Dorf.

New York, Manhattan

                                                                                     
Ich saß an der Theke einer Hotelbar in der Lexington Ave und versuchte wieder einmal einen amerikanischen Barkeeper daran zu hindern, das ganze Glas mit Eis zu füllen. “Bitte nur ganz wenig Eis” sagte ich in einem flehenden Ton. Er stutze kurz, beendete seine Arbeit und stellte mit einem freundlichen Lächeln den Campari - Orange vor mich. Das Glas war “nur” halb voll mit Eis. Ich nippte an dem Getränk, es schmeckte sehr gut.
Auf dem Barhocker neben mir saß ein Mann in einem blauen Hemd. Ich bemerkte, dass er mich beobachtete, und wandte mich kurz zu ihm, woraufhin er Mut schöpfte mich anzusprechen. Er fragte mich woher ich komme. Ich sagte: “ Aus Deutschland.” Er nickte mit dem Kopf und zog an seiner Zigarette. Da komme er gerade her, sagte er und blies den Rauch in die Luft. Ihm wäre es genauso ergangen, ständig gab es Probleme wegen dem Eis. Entweder man gab ihm nur einen winzigen Würfel ins Glas oder gar keins. Ständig musste er bitten: “Kann ich noch etwas Eis haben. Bitte machen sie mir mehr Eis ins Glas.” Am schlimmsten erging es ihm in Frankreich, sagte er.  Dort fasste die Kellnerin, nachdem er seine Bitte geäußert hatte, an die Colaflasche und zischte ihn an :  “ Aber die ist doch kalt.”
Wir mussten beide über unsere kulturelle Eigenheiten herzlich lachen. Ich erfuhr, dass er in San Diego, Kalifornien lebte, und auf der Heimreise war. Er hatte sein Leben lang als Zöllner an der Grenze zu Tijuana, Mexiko gearbeitet. Nun war er seit einem Jahr in Rente. Seine Vorfahren kamen aus Deutschland, aus dem Schwabenland, und es war immer schon sein Traum Europa, insbesondere Deutschland kennen zulernen. Es gab da aber ein Problem: er hatte extreme Flugangst. Keine zehn Pferde hätten ihn in einen Flieger gebracht. Es blieben also nur der Land- und Seeweg übrig. Nun, wo er in Pension war, konnte er endlich dieses zeitaufwendige Unterfangen in Angriff nehmen. Er war insgesamt drei Monate unterwegs. Zuerst durchquere er Amerika mit der Bahn von der Westküste zur Ostküste, mehrere tausend Kilometer von San Diego nach New York. Dann bestieg er das Schiff nach Amsterdam, um dann wieder mit dem Zug durch halb Europa zu fahren. Nun war er wieder in seinem Heimatland angekommen, hatte ein paar Tage in Manhattan verbracht, und bestieg einen Tag später den Zug nach San Diego.