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Das Geschäft mit dem Kakao
























Einen Kakaobaum pflanzt man, und dann heißt es 4 bis 5 Jahre warten, bis er die ersten Früchte trägt. Eine lange Zeit für einen Kakaobauern. Aber dann kommt die Ernte. Zwei Mal im Jahr muss die ganze Familie mit anpacken - auch die Kinder. Mit einer langen Stange werden die Schoten vom Baum gelöst. In Säcken wird die schwere Last aus der Plantage gebracht, mit einer Machete die harte Schale aufgebrochen. Zum Vorschein kommt ein weißer Fruchtschleim und darin eingebettet bis zu 50 weiße Kakaobohnen die ein bisschen an Mais erinnern. Sie werden in der Sonne getrocknet und in Jutesäcke gefüllt. 
Ghana ist nach der Elfenbeinküste, weltweit, der zweitgrößte Kakaoproduzent. Während an der Elfenbeinküste Kakao in großen Plantagen angebaut wird, sind es in Ghana eher kleinbäuerliche Familienbetriebe die Kakao produzieren. 
Es könnte für die Menschen dort eine sichere einträgliche Arbeit sein, werden doch allein in Deutschland pro Person 11 kg Schokolade im Jahr gegessen. Jedoch steht der Kakaobauer auf der Schattenseite des Handels, er ist der Verlierer dieses einträglichen Geschäfts, und besonders auf den großen Plantagen der Elfenbeinküste, zahlen Kinder den Preis. Sie werden massenweise als billige Arbeitskraft für diese Arbeit eingesetzt. Menschenhändler bringen sie aus den umliegenden Ländern und verkaufen sie an die Plantagenbesitzer, wo sie meist wie Sklaven gehalten werden. Man schätzt dass über 800 000 Kinder in der Kakaobranche arbeiten. 14 Stunden am Tag schuften sie auf den Plantagen. Kakaoernte ist ein Knochenjob. Die oft unterernährten Kinder müssen die reifen Schoten aus den Plantagen schleppen. Das Endprodukt kennen sie nicht, wie Schokolade schmeckt wissen sie nicht. 
Als Verbraucher hat man es in der Hand. Die Deutsche Welthungerhilfe rät, sich an dem Siegel Fairtrade zu orientieren. Es zeigt an, dass die Bauern fair bezahlt werden. Sie bekommen für ihren Kakao einen Mindestpreis, sodass sie über die Runden kommen können. Fairtrade gibt es in einigen Supermärkten, in den meisten Biomärkten und in Weltläden. Allerdings bewirkt das bisher nicht mehr als einen Tropfen auf einen heißen Stein, denn der Fairtrade-Anteil am deutschen Markt für Produkte aus Kakao beträgt gerade mal  ein Prozent. 


Frauen in Ghana























Ein ghanaisches Sprichwort besagt: "Das Huhn weiß, dass der Tag anbricht, lässt jedoch den Hahn krähen!" Genau so souverän, selbstbewusst und wahrhaft emanzipiert habe ich die Frauen in Ghana erlebt. Im harten afrikanischen Alltag leisten viele ghanaische Frauen einen größeren Beitrag zum Unterhalt der Familie, als Männer. Sie halten nicht nur die Familie zusammen und kümmern sich um Kinder und Haushalt, der ohne die vielen, bei uns selbstverständlich vorhandenen Geräte wie z.B. eine Waschmaschine zweifelsohne viel mühseliger zu bewältigen ist. Der größte Teil der weiblichen Bevölkerung ist wirtschaftlich unabhängig und betrachtet Berufstätigkeit als Selbstverständlichkeit. Rund 80 % der Frauen in Ghana arbeiten. Dabei muss man sich ihre Berufstätigkeit nicht wie bei uns vorstellen, wo Frau in einem Büro oder in einem Geschäft tätig ist. Dafür fehlt hier, wie in den meisten Ländern Afrikas, die wirtschaftliche Struktur. Der Kleinhandel ist die Domäne der Frauen. 
Am Beispiel Fischfang, kann man das sehr gut erörtern: 
Sind die Boote am Ufer gelandet kommen die Frauen mit ihren Schüsseln und kaufen den Männern den Fang ab. Sie trocknen oder grillen die Fische und verkaufen sie dann auf dem Markt. 






Fischfang in Ghana
























Der Atlantik peitschte schaumige Wellen mit Getöse an den Strand. In dem kleinen Häuschen, in dem wir wohnten, wurden wir in der Nacht von der Eintönigkeit des Rauschens eingeschläfert. Am Morgen aber, wenn das Meer sich beruhigt hatte und friedlich vor uns lag, weckte uns ein anderes Geräusch. 
Es waren Männer die mit ihren Pirogen, schöne von Hand geschnitzte und angemalte Boote, vom nächtlichen Fischfang zurückkehrten. Andere warfen nur ein paar hundert Meter vom Strand entfernt ihre Netze aus und zogen sie gemeinsam an den Strand. 

















Wir vernahmen Rufen und Singen, und es dauerte ein paar Stunden, bis die Beute aus den Netzen entwirrt, in Schüssel verteilt, die Netzte eingeholt und zum Trocknen aufgehängt, und die Boote in Parkposition gebracht waren. Erst dann kehrte am Strand wieder Ruhe ein. 

Vor der Küste Ghanas befindet sich eines der fischreichsten Gebiete. Man findet dort unter vielen anderen: Barrakudas und Thunfische, Haie und den Marlin. Leider ist dieser Reichtum, der die Bevölkerung zum Großteil mit ernährt, durch die illegale Fischerei großer Tanker bedroht.  










Die Sklavenburgen in Ghana
























Wenn man die Küstenregion Ghanas bereist, trifft  man auf Zeugen eines der dunkelsten Kapitel des afrikanischen Kontinents, den Sklavenhandel. Entlang einer Küste von zirka fünfhundert Kilometer Länge findet man heute noch an die 50 ehemalige Sklavenburgen, in mehr oder weniger gutem Zustand. Einige beinhalten Museen, in denen die Geschichte der Sklaverei dargestellt wird. Ursprünglich dienten diese festungsartigen Gebäude als Lagerraum für Handelsgüter wie Gold, Elfenbein und Gewürze, die dort auf europäische Schiffe verladen wurden.
Die Geschichte der Sklaverei begann mit der Entdeckung Amerikas. Das einst bekannteste Königreich Afrikas war das Aschanti-Reich in Ghana. Es bestimmte zum Großteil den Sklavenhandel mit den Europäern. Nun wurden die Lagerräume zu Gefängnissen für die Sklaven, die von hier nach Europa und in amerikanische Länder verschleppt wurden. In mehr als drei Jahrhunderten wurden rund sechzig Millionen Menschen zum Opfer. Man schätzt, dass nur ein Drittel ihren Bestimmungsort erreichte. Alle anderen kamen durch die unmenschliche Behandlung auf den wochenlangen Transportwegen, auf der Flucht, oder schon vor ihrer Verladung wegen Untauglichkeit für die für sie vorgesehene, meist körperlich schwere Arbeit, zu Tode. Erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde der Sklavenhandel verboten.
Nach mehreren Aschanti Kriegen wurde die Küstenregion 1874 zur britischen Kolonie erklärt. Ende der vierziger Jahre entstand in Ghana die erste nationale Bewegung. Sie forderte die sofortige Selbstregierung, sowie soziale Gerechtigkeit und die Zerschlagung der feudalen Herrschaft. 1957 erreichte Ghana als erstes schwarzafrikanisches Land seine Unabhängigkeit




Sonntags in Ghana ......



Berichtet jemand von seiner Reise in ein afrikanisches Land, kommt nach schwärmerischen Erzählungen von der großartigen Natur und  den wildlebenden Tieren sehr schnell das Thema auf die „ Zustände“ die dort in den meisten Ländern herrschen, und was alles „sie dort“ nicht haben.  Richtig, wenn man aus dem Überfluss kommt, braucht man schon ein paar Tage, um sich an die Lebenssituation der Menschen zu gewöhnen. Aber anstatt immer nur danach zu suchen was „sie auch nicht haben“ ist es doch mal interessant, seine Aufmerksamkeit auf das zu lenken, was diese Menschen haben und welche Impulse man für sein eigenes Leben mitnehmen kann, wobei ich hier bewusst materielle Dinge ausschließen möchte. 




Ohne das Leben in diesen Ländern glorifizieren zu wollen, fällt mir immer wieder die gute Laune und die verbreitete Fröhlichkeit auf, besonders wenn ich an zu Hause im Straßenbild an die vielen traurigen, mürrischen Gesichter denke.  Was immer wieder überrascht ist, wie sehr Afrikaner auf eine saubere untadelige Erscheinung achten, auch wenn sie nur wenig haben. Länder, in denen Wasserknappheit Alltag ist, und in den wenigsten Wohnungen eine Waschmaschine steht. An Sonn- und Feiertagen kommen sie adrett in ihren schönsten Kleidern daher, die Männer in Anzügen und geputzten Schuhen, die Kinder mit Rüschen und Schleifen hübsch gemacht. 
Es muss sehr irritierend sein, wenn Afrikareisende, Menschen die aus Ländern kommen, die alles besitzen wovon viele nur träumen können, in abgerissenen Shorts, kurzen Röcken und weit ausgeschnittenen minimalen Shirts daherkommen.