Posts mit dem Label Tansania werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Tansania werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Der Kilimandscharo - der Aufstieg Tag fünf






















Die Nacht war kurz. Gegen ein Uhr kam Bewegung in die Hütte. Aufbruch zur  letzten Etappe. Es war geplant die letzten tausend Meter in fünf Stunden zu schaffen. Bei Sonnenaufgang sollten wir den Kraterrand erreichen. Vier aus der Gruppe entschieden sich nicht mitzukommen. Die dünne Luft bereitete ihnen arge Probleme. Ich wunderte mich so weit gekommen zu sein und schlüpfte in meine hohen Wanderschuhe, denn nun begann der schwierigste Teil  - die Besteigung eines riesigen Geröllhaufens, vergleichbar mit einer Dünenbesteigung. Nur der Frost (minus 7 Grad ) gab dem Untergrund etwas halt. 
In der Nacht hatte vor Kälte kein Auge zugetan, ansonst ging mir gut. Ich zog alles übereinander was ich dabei hatte, beim Aufstieg würde mir schon warm werden. Mit Taschenlampen ausgerüstet, stiegen wir in einer Schlange in Serpentinen hinauf. Es war sehr anstrengend. Nach einer Stunde überfiel mich eine quälende Übelkeit. Mein Magen spielte verrückt. Ich musste nach jedem zwanzigsten Schritt stehen bleiben um mich zu erholen und begann dann erbärmlich zu frieren. Dann gab meine Taschenlampe den Geist auf. Ich torkelte in der Dunkelheit hinter den Lichtern der anderen her. Nach einer weiteren Stunde entschied ich mich, der Tortur ein Ende zu machen. Ich hatte die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder vor Übelkeit umzufallen oder zu erfrieren. Ein Guide begleitete mich den Berg hinunter bis zur Hütte, wo ich die Zurückgebliebenen traf. Als es hell wurde, machten wir uns an den Abstieg. 






















Verdreckt, müde und abgekämpft kamen wir zwei Tage später wieder am Fuß des Kilimandscharo an. Endlich war es wieder warm, endlich Afrika.

Fazit der Tour. Von vierzehn Teilnehmern schafften neun den Gilmanns Point, wo der Kibo als bestiegen gilt.
Fazit meiner Irrtümer:
Gefehlt haben: Teleskopstöcke, Ersatzbatterien für die Taschenlampe, ein Schlafsack mit Daunen ebenso eine Daunenjacke. 

Der Kilimandscharo - der Aufstieg Tag vier























Auf zur nächsten Etappe. Katzenwäsche, Zähne putzen. Über die Pfützen an der Wasserstelle hatte sich über Nacht eine dünne Eisschicht gebildet. Die Verfassung der Gruppe war mehr oder weniger optimistisch. Wir starteten und erklommen im Schneckentempo einen Kamm nach dem anderen. Ich trug immer noch meine Bergpantoffeln (Laufschuhe mit einer guten Sohle)   
In 4000 Meter Höhe Last Water, unsere Träger füllten die Kanister. Von nun an hieß es, neben  Brennholz auch noch das Wasser den Berg hinauf schleppen. Zum Glück waren die Lebensmittelvorräte inzwischen deutlich geschrumpft.
  





















Dann nach Stunden lag vor uns die Kibowüste, eine kahle, herbe Landschaft, übersät mit Lavabrocken. Die wenigen Pflanzen sind an extreme Lebensverhältnisse angepasst. Tagestemperaturschwankungen von 40 Grad sind keine Seltenheit. 
Der Weg vor uns, holprig und staubig, zog sich scheinbar endlos dahin. Am Ende ein heller Punkt, unser Tagesziel, die Kibohütte in 4700 Meter Höhe. 
Das Wetter verschlechterte sich. Wolken türmten sich auf, und wir befanden uns auf einmal inmitten eines Sturms. Schneeflocken wurden vom ausgedörrten Boden gierig aufgesaugt.   



Der Kilimandscharo - der Aufstieg Tag drei























Der dritte Tag. Früher Morgen, die Sonne schien, es war aber empfindlich kalt. Vor uns im klaren Morgenlicht der Kibo, unter uns eine geschlossene Wolkendecke. Der Tag begann wieder mit einer Katzenwäsche. Es gab zwischen den Hütten im Freien einen Wasserhahn für alle, oder als Alternative im Senicienhain hinter den Hütten einen gluckernden Bach mit eiskaltem, klaren Wasser. Einige Frauen machten Gebrauch davon, denn dort war man einigermaßen vor Blicken geschützt.  






















Senicien können 2000 Jahre alt werden und man findet sie nur in den Bergen Ostafrikas. 
Sie wachsen geradezu in Zeitlupe. Pro Jahr etwa fünf Zentimeter. So kann man sich ungefähr eine Vorstellung machen, wie alt diese zirka fünf Meter hohen Exemplare sein müssen.
Unsere Sportler, die am Vortag bis auf 2700 Meter abgestiegen waren, erreichten im Laufe des Vormittags die Horombo Hütte. Ihre Beschwerden hatten sich deutlich gebessert. Gemeinsam stiegen wir im alten Trott - pole, pole - immer schön langsam, zum Hochplateau am Fuß des Mawenzi auf ca. 4000 Meter. Es sollte ein Akklimatisierungstag sein. Am späten Nachmittag folgte wieder der Abstieg zur Horombo Hütte, um dort noch einmal zu übernachten. Der Kibo hatte sich schon wieder in einen Wolkenmantel gehüllt. 

Der Kilimandscharo - der Aufstieg Tag zwei

























Unser Tagesziel war die Horombo-Hütte in 3700 Meter Höhe. Erneut waren 1000 Höhenmeter zu überwinden. Wir füllten unsere Wasserflaschen und verschwanden im Berg-nebelwald, der uns mit sehr steilen, glitschigen Passagen aus Steinen und Wurzeln über-raschte. Am Morgen war uns nahe gelegt worden, aus Gründen der Gewöhnung an die Höhe, langsam zu laufen. Unsere Träger, meist Jugendliche, die sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienten, erinnerten uns unterwegs daran. Pole, Pole, langsam, langsam riefen sie uns lächelnd zu, während sie uns, mit 20 Kilo Gepäck auf dem Kopf, eiligen Schrittes überholten. 














































Nach mehr als einer Stunde traten wir aus dem Wald in eine alpine Moorvegetation, mit baumhohem Heidekraut, Lobelien, Protea. Üppiger Flechtenbewuchs hing von den Bäumen herab. Der Kibo und sein Nachbar der Mawenzi mit “nur” 5200 Meter Höhe tauchten im Nebel auf. Sie schienen uns noch so weit entfernt. 
Immer wieder zogen Nebelschwaden über uns hinweg. Am Nachmittag, auf den letzten hundert Metern bevor wir die Hütten erreichten, kamen uns zwei unserer Sportler schon wieder entgegen. Sie hatten der Jagd nach Rekorden nicht widerstehen können, und waren zu schnell aufgestiegen. Untrügerische Anzeichen von Höhenkrankheit - Übelkeit und irrsinnige Kopfschmerzen - zwangen sie abzusteigen. 
Oben angekommen waren unsere Träger schon beim Kochen. Das gesammelte Holz war feucht und verbreitete einen beißenden Qualm. Unglaublich was sie alles scheinbar mühelos den Berg hinauf getragen hatten. 






















Es gab Hühnchen mit Gemüse und Kartoffeln und schmeckte sehr gut. Als die Sonne untergegangen war, wurde es sehr kühl. Warm eingepackt saßen wir noch lange in der Dunkelheit und bestaunten, fernab von jeglicher Lichtverschmutzung, einen unbeschreiblichen Sternenhimmel. Über und das Kreuz des Südens. Der Mond lag auf dem Rücken und sah aus wie eine Wiege.

Der Kilimandscharo - der Aufstieg Tag eins



Als wir am nächsten Morgen das Park Headquarter erreichten, erwartete uns ein chaotisches durcheinander von Rucksäcken, Fotoausrüstungen, Jutesäcken, Teleskopstöcken. Mittendrin hatten sich unsere Träger auf den Gepäckstücken ausgestreckt, um sich vor dem bevorstehenden, anstrengenden Tag noch einmal ausruhen. Als der “Startschuss” fiel, setzten wir uns in Bewegung, gefolgt von einer dreißigköpfigen Karawane die unser Gepäck und die Lebensmittel den Berg hinauf trug. Wir hatten nur unseren Tagesbedarf zu tragen, etwas zum Essen und zu Trinken, Pflaster und Sonnencreme, und die Fotoausrüstung.























Um die erste Zieletapppe, die Mandarahütte in 2700 Meter zu erreichen, mussten wir 1000 Höhenmeter überwinden. Zuerst liefen wir durch einen dichten, schattigen Regenwald. Rechts und links eine grüne Wand durch die hin und wieder ein paar Lichtstahlen drangen, begleitet von Vogelgekreische, flinke Colobusaffen lärmten in den Ästen, der mit Moos behangenen Bäume, schillernde Schmetterlinge.
Nach ungefähr drei Stunden verließen wir das schützende Blätterdach, und erreichten eine lichtere Vegetationszone. Wir waren in Äquatornähe, es war höchste Zeit Sonnencreme aufzutragen. Nach weitern zwei Stunden kamen wir durchgeschwitzt an unserem Ziel an. Zeltartige Hütten, einst von Entwicklungshelfer gebaut, dienten als Asyl für die Nacht, die schon gegen sieben hereinbrach.


Der Kilimandscharo - die Ankunft







































Wir hatten das winterliche Deutschland hinter uns gelassen und  landeten nach einem ca. achtstündigen Flug auf dem Kilimandscharo International Airport in Tansania. Unterwegs hatte man Gelegenheit den einen oder anderen Teilnehmer ein wenig kennen zu lernen. Es war eine muntere Gruppe im Alter zwischen 25 und 50, darunter Gipfelstürmer, Wanderer wie du und ich und ein Marathonläufer. Raucher und Nichtraucher, also Menschen auf sehr unterschiedlichem sportlichen Niveau. Das Kapital was ich mitbrachte war, dass ich viel und gut zu Fuß bin - aber ob das reichen würde wusste ich nicht. 
Ein kleiner Bus brachte uns vom Flughafen über Moshi zum Kibohotel. Als wir ausstiegen, fiel unser Blick sofort auf den Riesen mit der weißen Haube, der in den afrikanischen Himmel ragte. Es ist grotesk, denn man sollte meinen, dass sich Äquator und Schnee eigentlich auszuschließen hätten.

Die Bezeichnung Kilimandscharo, oder auch Kilimanjaro geschrieben, stammt aus der suahelischen Sprache und bedeutet soviel wie leuchtender Berg. Wie die  meisten Vulkanberge ist er in keiner Weise mit unseren Alpen zu vergleichen. Erstens, wegen der Höhe, denn Europa kann Berge von 6000 Meter Höhe nicht aufweisen. Zweitens, im Gegenteil zu unseren europäischen Alpen sind für die Besteigung keine bergsteigerische Fähigkeiten erforderlich. Die Schwierigkeit liegt in einer Hürde, die man in unseren Bergen nirgendwo austesten kann. Es ist die Höhenkrankheit die einem, unabhängig von körperlicher Fitness, den Aufstieg erschweren oder gar vollkommen unmöglich machen kann. 





Der Kilimandscharo










































Das allererste Mal sah ich ihn aus der Luft. Ich saß mit fünf Schweizern in einer einmotorigen Cessna, und war auf dem Weg in die Serengeti. Als der Sechstausender in meinem Blickfeld auftauchte, wurde mir ganz anders. Der Pilot, ein Engländer der schon sein Leben lang in Kenia lebte, hörte meinen Freudenausbruch im Hintergrund und flog extra für mich eine Schleife und näherte sich dem höchsten Berg Afrikas. Ich dachte insgeheim, wie wunderbar es wäre, da oben herumzulaufen. Aber ich behielt diese Träumerei für mich, denn ich hielt es gar nicht für möglich. Dieses Unterfangen gehörte für mich in die Kategorie Expedition, also nur was für Profis. Hätte ich damals über meine Gedanken gesprochen, ich bin überzeugt, der Pilot hätte mir bestimmt erzählt, wie man es anstellt. 
Jahre später blätterte ich im Katalog eines Trekkinganbieters und stolperte über die Überschrift: Bergwandern am Kilimandscharo - ich war sofort Feuer und Flamme. Anfangs machte ich mir noch Gedanken, ob ich da hoch und wie wieder runter komme. Ich wanderte schon immer sehr gerne, aber bin keine Bergziege. Größere Höhen überwand ich lieber mit der Seilbahn. Die Bedenken wurden mir genommen, denn in der Beschreibung stand, dass demjenigen, der den Aufstieg nicht schafft, ein Guide für den Abstieg zur Seite stehen würde. Die Entscheidung war gefallen.