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Die Bergoase Tafraoute





















Niemand kann von sich behaupten Marokko zu kennen, wenn er nicht das Atlasgebirge überquert und den Antiatlas kennen gelernt hat. Das Atlasgebirge, das sind über viertausend Meter hohe schneebedeckte Berge, ein Wintersportgebiet. Aber wer denkt schon, wenn er Marokko hört, ans Skifahren.







Einer der Höhepunkte auf der anderen Seite des Atlasgebirges, im sogenannten Antiatlas, ist mit Sicherheit die Kleinstadt Tafraout, eine Bergoase auf einer Höhe von ungefähr tausend Metern, inmitten einer beeindruckenden Granitlandschaft.
Die Stadt liegt etwas abgelegen von der Route Agadir - Tiznit, wobei Agadir etwa 170 km entfernt im Westen liegt. Man trifft hier auf einen  Landstrich von außergewöhnlicher Schönheit. Von Regen und Wind rund geschliffene Felsformationen,  die letztlich auf einen vulkanischen Ursprung dieses Teils des Antiatlas hinweisen. Riesige und  urwüchsige Granitbrocken, die wie es scheint, durch ein kompliziertes Gerüst im Gleichgewicht gehalten werden.
 



















Darunter eine  Kasbah aus ockerfarbenem und rotem Mauerwerk. Es leben hier in der Mehrzahl Berber, die in früheren Zeiten als Selbstversorger vom Ackerbau lebten. Jedoch haben auch sie in den letzten Jahrzehnten die Konsequenzen der Klimaerwärmung zu spüren bekommen. Der immer häufiger ausbleibende Regen in den Wintermonaten zwingt heute einen Großteil der Menschen in die Städte des Nordens abzuwandern. Nur die Einnahmen des Tourismus bringen, wirtschaftlich gesehen, einen gewissen Ausgleich für die Region.













 
 
 


 

Zu den Sanddünen des Erg Chebbi
























Es ist immer wieder wie ein Wunder. Man fährt stundenlang durch eine einfarbige Landschaft. Je nach Sonnenstand, durch ein morgendliches Hellrosa, durch ein mattes Gelb in der Mittagshitze oder ein flammendes Rot bei Sonnenuntergang. Und dann geschieht das “Wunder”. Wie aus dem nichts taucht am Horizont eine Oase auf, hunderte von Dattelpalmen, so grün, dass man es nicht glauben kann.



















Dieses Mal hieß das “Wunder” Erfoud, eine ehemalige Garnisonsstadt im Grenzgebiet zu Algerien, und Etappe auf unserer Fahrt am nördlichen Rand der Sahara entlang, zu den Sanddünen des Erg Chebbi.
Es wurde Abend. Auf einem Campingplatz schlugen wir unser Zelt auf. Wasser gab es ausreichend, die Beleuchtung war spärlich, aber wir waren müde und wollten nur noch schlafen.
Als wir am folgenden Morgen aus dem Zelt krochen, hatte der Sonnenaufgang die Landschaft in Rosa getaucht. Der Weg nach Süden führte uns durch ein Feld mit Fossilien durchsetztem grauen Sedimentgestein. Mehrere hundert Millionen Jahre alte Versteinerungen von Meerestieren. Muscheln, Ammoniden, Fische, Seelilien als Fossilien, stehen am Straßenrand zum Verkauf. Zeugen eines Korallenriffs das sich hier einst ausbreitete. Das Meer existiert immer noch, aber es ist zu Sand geworden.
Und dann tauchte Merzouga auf, und dahinter unübersehbar der Erg Chebbi, eine der größten Sandwüsten Marokkos. Erg bedeutet Sandberg und trifft so den Nagel auf den Kopf, denn die Höchste dieser beeindruckenden Sanddünen ist an die hundertfünfzig Meter hoch. Sand soweit das Auge blickt, und in der Nacht ein Himmel, so reich an Sternen wie die Wüste an Sandkörner.



 


Das Fest der blauen Männer


2300 km waren zurückgelegt. Acht Tage durch Frankreich und Spanien gefahren, die Meerenge von Gibraltar überquert, und Marokkos Straßen entlang der Atlantikküste nach Süden gefolgt. Übernachtet in Hotels, im Zelt und im Schlafsack in menschenleeren Landschaften. In Agadir lagen noch 400 km vor uns. Die Landschaft wurde immer karger. Am Ende begleiteten uns nur noch Sanddünen und endlose Geröllfelder. Auf pfeilgerader Straße überraschten uns gefährliche Sandverwehungen.
Noch gibt es sie, die "Blauen Männer", die mit ihren Wüstenschiffen durch die Sahara ziehen. Aber es werden immer weniger, und die Dromedare werden gegen Lastwagen eingetauscht. Feste Grenzen, staatliche Bemühungen zur Ansiedlung, und die zunehmende Wasserknappheit sind der Grund für fortschreitende Veränderungen. Viele sesshaft gewordene leben vom Tourismus.
Aber einmal im Jahr, gewöhnlich Ende Mai, versammeln sich die Berberstämme aus dem Süden Marokkos und den angrenzenden Ländern in Tan Tan, einer kleinen Stadt am westlichen Rand der Sahara, zum "Fest der blauen Männer". Ihren Namen haben sie nicht nur von der indigoblau gefärbte Bekleidung. Die Stoffe sind nicht besonders farbbeständig. So rinnen in der Hitze unter den Tüchern, die ihren Kopf vor Sonne und Sand schützen, Schweiß und Farbe über ihre Haut und hinterlassen blau schattierte Gesichter.
Flöten und Trommeln ertönten im Hintergrund. Unter Zelten, gewebt aus braun-grauem Ziegenhaar herrschte ein buntes Treiben. Es wurde Tee getrunken, gefeilscht, man tauschte sich aus und knüpfe neue Kontakte. Und - außerhalb des Getümmel kündeten eine Ansammlung Reiter auf edlen weißen Pferden und stolzen Dromedaren den Beginn der Spiele an.